„Sport schafft Zugehörigkeit, Orientierung und soziale Stabilität“ – Sportministerkonferenz verabschiedet „Hamburger Erklärung“

Die Sportministerinnen und Sportminister der Länder und Bundesministerin Nancy Faeser haben bei ihrem Zusammentreffen in Hamburg eine Neuausrichtung und strukturelle Stärkung der Sportministerkonferenz (SMK) beschlossen. Als Basis des gemeinsamen Selbstverständnisses wurde in Hamburg die „Hamburger Erklärung“ verabschiedet.

Bei der Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen ist der Sport längst zu einem unverzichtbaren Faktor mit hohem politischen Stellenwert geworden. Denn Sport fördert nicht nur individuelle Lebensqualität und Gesundheit, sondern auch Zusammenhalt und Respekt und stärkt die Abwehrkräfte der Gesellschaft gegen soziale Destabilisierung, Polarisierung, Menschenfeindlichkeit und Demokratieverachtung. Ziel der SMK muss es daher sein, der gestiegenen gesellschaftlichen Bedeutung des Sports Rechnung zu tragen und das bundespolitische Gewicht des Sports insgesamt zu erhöhen.

Aus diesem Grund haben sich die Sportministerinnen und Sportminister der Länder bei der außerordentlichen Sportministerkonferenz in Hamburg über eine Neuausrichtung und strukturelle Stärkung der SMK verständigt. Um schneller und effektiver auf aktuelle Entwicklungen reagieren zu können, soll die Sportministerkonferenz künftig regelmäßig zweimal im Jahr tagen. Weitere Termine sollen darüber hinaus anlassbezogen stattfinden. Zudem soll das für Sport zuständige Mitglied der Bundesregierung in Zukunft regelmäßig an der SMK teilnehmen, wie dies in Hamburg auch erstmals wieder seit langem der Fall war. Ziel ist es, der Sportpolitik bundesweit ein noch stärkeres politisches Gewicht zu geben und gesellschaftliche Debatten als Sportministerkonferenz noch intensiver mitzubestimmen.

SMK verabschiedet „Hamburger Erklärung“

Die Sportministerkonferenz ist sich einig, dass der Sport eine starke politische  Wahrnehmung und Förderung braucht, um seine volle gesellschaftliche Kraft zu entfalten.

Um den Stellenwert des Sports insbesondere für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die soziale Stabilität hervorzuheben, haben die Sportministerinnen und Sportminister der Länder und Bundesministerin Nancy Faeser daher eine gemeinsame „Hamburger Erklärung“ als Basis ihres Selbstverständnisses in der sportpolitischen Zusammenarbeit verabschiedet.

Durch eine aktive Sportförderpolitik auf Landes- und Bundesebene sollen Sport -und Bewegungsangebote für alle Menschen ausgebaut, die Vereine gestärkt und die Ehrenamtlichkeit im Sport weiter unterstützt werden. Denn nirgendwo, darin ist sich die Sportministerkonferenz einig, entfaltet der Sport seine gesellschaftliche Kraft so stark wie im Verein.

Rückgrat jeder Sportförderpolitik muss zugleich der Erhalt und Ausbau der Sportinfrastruktur sein, mit dem Ziel, so vielen Menschen wie möglich niedrigschwellige, attraktive Zugänge zu  Sport und Bewegung zu eröffnen. Sport- und Bewegungsangebote sollen jede und jeden zu einem aktiven Lebensstil motivieren und mit anderen Menschen zusammenführen, unabhängig von Alter, Geschlecht, sozialen und kulturellen Hintergrund, Hautfarbe oder einer Behinderung.

Mit Blick auf die bevorstehende UEFA EURO 2024 in Deutschland sieht die Sportministerkonferenz zudem die Chance, die verbindende Kraft des Sports in einer offenen, freien, demokratischen Gesellschaft noch stärker erlebbar zu machen und als Land enger zusammenzurücken.

Solidarität des Sports mit der Ukraine

Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine und den derzeitigen Flüchtlingsbewegungen in Europa haben die Sportministerinnen und Sportminister der Länder und Bundesministerin Nancy Faeser in Hamburg auch die enorme und wertvolle Integrationsleistung des Sports hervorgehoben. Für viele der derzeit ankommenden Schutzsuchenden aus der Ukraine gehören die Sportvereine zu den ersten Begegnungsorten, an denen sie sich zugehörig und angenommen fühlen. Die Sportministerkonferenz dankte dem organisierten Sport daher für die große Solidarität und spricht sich dafür aus, das Programm „Integration durch Sport“ von DOSB und BMI fortzuführen und auszubauen. Die SMK unterstützt außerdem die Empfehlung des DOSB an seine Mitgliedsorganisationen, die Teilnahme an Wettkämpfen und Trainingsmaßnahmen in Russland und Belarus auszusetzen.

Neustart des Sports nach der Corona-Pandemie

Des Weiteren haben sich die Sportministerinnen und Sportminister auf eine vom Bund mitfinanzierte bundesweite Bewegungskampagne verständigt. Nach zwei Jahren Pandemie, in denen der Sportbetrieb und das Vereinsleben stark eingeschränkt waren, braucht es einen kraftvollen Aufbruch, um den Sport, die Vereine und die gesellschaftliche Präsenz von Sport und Bewegung schnell wieder zu stärken. Bereits bestehende Programme sollen daher zusammengeführt und Modelle der Förderung wie z.B. Bewegungs-Gutscheine (u.a. Active City Starter-Gutschein) auf ihre bundesweite Anwendung geprüft werden.

Darüber hinaus erachtet die SMK die Einberufung eines Bewegungsgipfels als dringend notwendig und wird hierzu gemeinsam mit Bundesministerin Nancy Faeser einladen.

Schaffung eines Zentrums Safe Sport

Eine weitere aktuelle Herausforderung stellt für die Sportministerkonferenz der Kampf gegen sexualisierte und interpersonale Gewalt im Spitzen- und Breitensport dar. Vorfälle dieser Art gefährden die Integrität des Sports. Die Sportministerinnen und Sportminister der Länder und Bundesministerin Nancy Faeser verurteilen jede Form von sexualisierter Gewalt und interpersonaler Gewalt auf das Schärfste. Prävention, Intervention und Aufarbeitung lauten nach dem gemeinsamen Beschluss die Aufgaben, die in der Verantwortung staatlicher und sportverbandlicher Akteure liegen. Die SMK begrüßt das vom Bund vorgelegte Konzept für das Einrichten einer unabhängigen Ansprechstelle für Betroffene von sexualisierter Gewalt im Sport. In einem weiteren Schritt soll daraus ein Zentrum für Safe Sport entstehen, das als zentrale Einrichtung im Kampf gegen Gewalt und Missbrauch dienen soll. Ein erster Fahrplan soll bis zur Jahrestagung der Sportministerinnen und Sportminister im Herbst 2022 erarbeitet werden.

Stellvertretender SMK-Vorsitzender und bayerischer Sportminister Joachim Herrmann: „Die Unterstützung von vielen tausenden Flüchtlingen in Deutschland ist nach der Aufnahme geflüchteter Menschen im Jahr 2015 erneut eine große Herausforderung für Staat und Gesellschaft.Wir waren uns sehr einig, dass wir die große Integrationskraft des Sports nutzen wollen und werden, um Flüchtlingen aus der Ukraine das Leben in ihrem neuen Umfeld zu erleichtern. Wir haben schon in der Vergangenheit wie auch in der täglichen Praxis erlebt, was der Sport für die Integration leisten kann und welchen Stellenwert der Sport für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in solchen Krisen haben kann. Insbesondere die Sportvereine können eine wichtige Rolle spielen, um eine echte Willkommenskultur zu schaffen und Sprachbarrieren zu überwinden.“

Bundesinnenministerin Nancy Faeser: „Wir wollen den Sport jetzt mit aller Kraft voranbringen. Denn der Sport hat unter Corona sehr gelitten. Wir wollen, dass die gebeutelten Sportvereine wieder voll durchstarten können. Deshalb setze ich mich im Bundestag für die nötigen Haushaltsmittel für ein Restart-Programm ein.

Ich freue mich, dass wir als Bund, Länder und Sportverbände gemeinsam ein Zentrum Safe Sport für sicheren und gewaltfreien Sport gründen. Das wird eine sehr wichtige Anlaufstelle sein im Kampf gegen sexualisierte Gewalt und jede andere Form der Gewalt im Sport.

Natürlich stand diese Sportministerkonferenz auch im Zeichen des furchtbaren russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Wir wollen, dass Geflüchtete – vor allem Kinder und Jugendliche – bei uns gut ankommen. Wir wollen ihnen Hoffnung und Halt geben. Dazu leisten viele Engagierte auch in Sportvereinen schon jetzt Großartiges. Das wollen wir über unser Programm ‚Integration durch Sport‘ fördern. Zugleich ist für uns klar: Der Sport darf niemals missbraucht werden zur Selbstinszenierung von Autokraten und Kriegsverbrechern. Auch der Sport muss alle Konsequenzen ziehen, um Russlands verbrecherischen Angriffskrieg zu verurteilen. Es ist für uns deshalb zur Zeit nicht denkbar, dass russische Teams an internationalen Turnieren teilnehmen. Als Sportministerium haben wir Regelungen erlassen, nach denen Sportveranstaltungen mit russischen Athletinnen und Athleten nicht mehr gefördert werden können. Diese Schritte sind bitter, aber sie sind unbedingt erforderlich.“

Hamburgs Sportsenator Andy Grote: „Sport trägt essentiell zum Funktionieren unserer Gesellschaft bei. Keine gesellschaftliche Institution hat eine vergleichbare Bindungskraft und Reichweite. Bei der Bewältigung großer gesellschaftlicher Herausforderungen ist Sport ein wesentlicher Faktor, auf den wir nicht verzichten können. Um dieses Potenzial nutzen zu können, gehört der Sport auf der politischen Agenda weiter nach oben. Dafür wollen wir als Sportministerkonferenz sorgen und haben eine Hamburger Erklärung verabschiedet, auf deren Basis wir gemeinsam Sportpolitik in Deutschland vorantreiben wollen. Von Hamburg geht heute ein Signal des Aufbruchs in der Sportpolitik aus. Auch dank einer vom Bund wesentlich mitfinanzierten Bewegungskampagne geben wir dem Sport nach der Pandemie zusätzlichen Rückenwind.“

Hessens Sportminister Peter Beuth: „Sport ist der Kitt, der die Gesellschaft zusammenhält und unsere Sportvereine die zentralen Orte des gelebten Miteinanders in unserer Gesellschaft. Dabei bietet der Sport schon immer Raum, um Gegensätze zu überwinden und Menschen zu vereinen. Er ist damit eben nicht nur eine Freizeitbeschäftigung, sondern leistet einen ganz wichtigen Beitrag zur Vermittlung von Fairplay, Toleranz und Integration. Gerade die integrierende Kraft des Sports ist angesichts Tausender Kriegsflüchtlinge, die derzeit zu uns kommen, sehr wertvoll. Für die große Solidarität des Sports mit den geflüchteten Menschen sind wir sehr dankbar.“

 

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Ansprechpartnerin für Medienanfragen

Sonja Bräuer

Pressesprecherin

Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz

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