Unabhängige Beratung für Betroffene von Gewalt im Sport

Bei der Sportministerkonferenz (SMK) haben Bund und Länder heute die unabhängige Ansprechstelle Safe Sport gegründet. Weiteres Thema: Die SMK begrüßt den Beschluss der MPK, dass die Gaspreis- und die Strompreisbremse auch für Vereine gelten sollen.

Heute hat das Bundesministerium des Innern und für Heimat gemeinsam mit allen 16 Bundesländern und Vertreterinnen und Vertretern aus der Wissenschaft sowie der Betroffenen und Athleten Deutschland e.V. am Rande der Sportministerkonferenz in Mainz den Trägerverein für eine unabhängige Ansprechstelle Safe Sport gegründet. 

Bundesinnenministerin Nancy Faeser: „Gewalterfahrungen bis hin zu sexualisierter Gewalt sind für erschreckend viele Sportlerinnen und Sportler Realität. Jeder Vorfall ist eine Tragödie. Jeder Vorfall kann, vor allem bei Kindern und Jugendlichen, das ganze Leben beeinträchtigen. Und jeder Vorfall erschüttert das Vertrauen in den Sport. Wir müssen mehr Fälle ans Licht bringen und Betroffenen helfen. Deshalb gründen wir das Zentrum Safe Sport für sicheren und gewaltfreien Sport. Als erstes startet Anfang 2023 die unabhängige Ansprechstelle Safe Sport, die Betroffenen psychologische und juristische Unterstützung bieten wird. Ich freue mich sehr, dass wir hierfür heute gemeinsam mit den Ländern bei der Sportministerkonferenz den Trägerverein gegründet haben. Das ist ein wichtiger Schritt für einen sicheren, in jeder Hinsicht gewaltfreien Sport. Klar ist aber auch, dass trotz aller staatlichen Maßnahmen der organisierte Sport in einer besonderen Verantwortung steht und diese auch wahrnehmen muss. Wer sich selbst oder seine Kinder einem Trainer oder einem Sportverein anvertraut, der muss auf einen absolut gewaltfreien Umgang vertrauen können. Wir brauchen eine Kultur des Aufklärens, Hinsehens und Handelns.“

Michael Ebling, Vorsitzender der Sportministerkonferenz, Minister des Innern und für Sport des Landes Rheinland-Pfalz: „Sport soll begeistern, Sport soll Gesundheit stiften, aber vor allem soll und muss Sport unbeschwert sein. In den zurückliegenden Monaten und Jahren haben uns immer wieder Fälle sexualisierter Gewalt im Sport erschüttert. Athletinnen und Athleten, aber auch Betreuerinnen und Betreuer haben sexualisierte oder psychische Gewalt erlitten. Für sie soll es künftig diese Ansprechstelle geben, die gänzlich losgelöst von Landes- oder Bundesregierung, aber auch vom organisierten Sport arbeitet. Die Länder hatten bereits im August in München beschlossen, sich auch finanziell an den Kosten für den Betrieb dieser Ansprechstelle zu beteiligen. Es ist das richtige Signal, das sich die 16 Länder gemeinsam mit dem Bund auf den Weg gemacht haben, um diese unabhängige Stelle einzurichten.“

Peter Beuth, Minister des Innern und für Sport des Landes Hessen, Vorsitzland im Bereich Integrität der Sportministerkonferenz: „Die Gründung des Trägervereins Safe Sport ist ein Meilenstein für den Schutz der Integrität des Sports. Die Sportminister der Länder haben zusammen mit dem Bund den organisatorischen Rahmen dafür geschaffen, dass Deutschland den Kampf gegen sexualisierte Gewalt im Sport erfolgreich gestalten kann und wird. Basis hierfür ist die Gründung des Trägervereins Safe Sport, die wir nun vorgenommen haben. Jetzt können wir gemeinsam mit allen Beteiligten daran arbeiten, die Ausgestaltung des Zentrum Safe Sports zu entwickeln. Opfern von sexualisierter Gewalt wird aber schon sehrt zeitnah eine konkrete Hilfe zuteil. Ab dem kommenden Jahr wird die Ansprechstelle für Betroffene sexualisierter, psychischer und physischer Gewalt ihre Arbeit aufnehmen. Diese Ansprechstelle arbeitet völlig unabhängig vom organisierten Sport und bietet mit Hilfe von Psychologen allen Betroffenen ihre Hilfe an.“

Andy Grote, Senator für Inneres und Sport der Freien und Hansestadt Hamburg: „Sport muss sicher sein und ohne Angst. Alle Akteure des Sports sind hier gemeinsam in der Verantwortung, natürlich auch der organisierte Sport selbst. Mit der gemeinsamen Gründung der Ansprechstelle Safe Sport kommen Bund und Länder dieser Verantwortung nach. Wir werden die Betroffenen in Zukunft wirksamer schützen und unterstützen können.“

Die Ansprechstelle wird für Betroffene sexualisierter, psychischer und physischer Gewalt im Breiten- und Spitzensport eingerichtet. Sie soll Betroffenen möglichst rasch unabhängige Hilfe in Form einer Erstberatung, z.B. psychologischer oder juristischer Art, anbieten und ihre Arbeit Anfang 2023 aufnehmen. Bund und Länder tragen die Finanzierung der Ansprechstelle gemeinsam und fordern ein finanzielles Engagement des organisierten Sports.

Die Ansprechstelle soll als erster Baustein eines künftigen Zentrums für Safe Sport dienen. Das Zentrum für Safe Sport soll Aufgaben im Bereich von Prävention, Intervention und Aufarbeitung von Gewalt im Sport wahrnehmen. Dieses wird im Rahmen eines breit angelegten Stakeholder-Prozesses mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Sport und Gesellschaft aufgebaut. Bis zum Sommer 2023 sollen die Aufgaben, die Finanzierung und die Organisation des künftigen Zentrums für Safe Sport festgelegt werden.

Statement der Sportministerkonferenz zu den MPK-Beschlüssen

Die Sportministerkonferenz begrüßt grundsätzlich den aktuellen Beschluss des Bundeskanzlers mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder vom 2. November zur Energiepreisbremse, mit dem ausdrücklich auch die Vereine, und damit auch die Sportvereine, ebenso wie Privathaushalte durch die vorgesehene Gaspreisbremse entlastet werden sollen.

Die SMK erachtet es zudem für wichtig, dass ebenso auch die dort getroffene Regelung zur Strompreisbremse auf die (Sport-)Vereine anwendbar ist und begrüßt hierzu die klarstellende Erklärung des Bundes.

Die SMK hält es darüber hinaus für erforderlich, dass die Sportvereine soweit sie - insbesondere aufgrund eigenverantwortlich betriebener Sportinfrastruktur besonderen Belastungen ausgesetzt sind - auch in die von der MPK beschlossene Härtefallregelung einbezogen und über das Wirtschaftsstabilisierungsprogramm (WSP) entlastet werden. Die SMK hatte mehrfach an den Bund appelliert, bei der Schaffung von Hilfen, die von Energiekostensteigerungen besonders betroffenen Unternehmen oder Privatverbraucherinnen und -verbraucher entlassen sollen, auch den Sport zu berücksichtigen.